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Johann Georg Justus Perthes (1749-1816)
Verlagsgeschichte

Justus Perthes:
Abriss der
Verlagsgeschichte
1785 bis 1952

1763: Der 'Gothaische Genealogische Hofkalender' (Almanach de Gotha) wird von C.W. Ettinger in Gotha begründet.

September 1785: Übernahme des Almanach de Gotha (Gothaischer Geneologischer Hofkalender) - später international bekannt geworden als 'Der Gotha' - zunächst in Lizenz durch Johann Georg Justus Perthes (1749-1816); Gründung der Verlagsbuchhandlung Justus Perthes in Gotha.

Schon zu Beginn gehörten England, Holland, Frankreich, Italien, Rußland, auch Amerika zum Verbreitungsgebiet. Die letzten Ausgaben erschienen 1944. Nach dem 2. Weltkrieg konnte 'Der Gotha' nicht mehr weitergeführt werden.

Mit Adolf Stieler und seinem Hand-Atlas über alle Theile der Erde und über das Weltgebäude (ab 1817) verlagerte sich der Publikationsschwerpunkt auf wissenschaftliche Karten, (Schul-)Atlanten und Schulwandkarten. Der Stieler wurde zum Inbegriff für die anerkannt erstklassige Kartographie des Hauses Justus Perthes. 1925 erschienen die "Jahrhundertausgabe" sowie die "Studienausgabe" (mit nur 100 numerierten Exemplaren). Ende 1934 wurde mit einer "Internationalen Ausgabe" begonnen, die den kühnen Versuch unternahm, die Beschriftung jedes Landes in der jeweiligen Landessprache darzustellen. Insgesamt wurde der "Stieler" über 115 Jahre in 112 vollständigen Jahresausgaben verkauft und erlebte zehn Auflagen.

Als Begründer der methodischen Schulkartographie gilt Emil von Sydow. Der Militärkartograph, der an der Erfurter Offiziersschule Geographie lehrte, eröffnete 1838 mit der Wandkarte Asia die Kartenreihe des Schulmethodischen Wand-Atlas. Die bis heute international gebräuchliche physikalische oder physische Farbgebung der Höhenschichten in der (Schul-) Kartographie lässt sich auf Emil von Sydow zurückführen: Blaue Farbtöne für die Meerestiefen, Grün für flaches Land, Gelb bis Rot für Hügelland und Hochgebirge.

In dieser Periode erschienen auch Spruners Historisch-Geographischer Hand-Atlas (ab 1837) sowie Berghaus' Physikalischer Atlas (ab 1838).

Den dritten Schwerpunkt bildete ab 1855 die von August Petermann begründete Zeitschrift "Mittheilungen aus Justus Perthes' Geographischer Anstalt über wichtige neue Erforschungen auf dem Gesammtgebiete der Geographie" (bis heute bekannt als Petermanns Geographische Mitteilungen / PGM; eingestellt erst 2004 im 149. Jahrgang). Diese Zeitschrift wurde in ihrer Epoche zur bedeutendsten deutschsprachigen Fachzeitschrift zur Geographie; sie war das Publikationsmedium der sich entwickelnden Geowissenschaften. Kein Forscher zog in die Fremde, der nicht in Gotha Anregungen erhalten hätte. Als Dank strömten reiche Schätze neu erworbenen geographischen Wissens in Gestalt von Aufsätzen, Zeitschriften, Büchern und Karten zurück, die mit den Grundstein zu Kartensammlung und Bibliothek in der Gothaer Justus-Perthes-Straße legten (heute Sammlung Perthes Gotha). Darüberhinaus bildeten Originalzeugnisse der europäischen Landvermessungen und der Erkundung, Vermessung und Kartierung der nicht-europäischen Kontinente und Polargebiete die Basis eines des bedeutendsten Verlagsarchive in Europa.

Die außerordentlich vielfältigen Leistungen von August Petermann im Verlag Justus Perthes Gotha angemessen zu würdigen, sprengt den Rahmen dieser Website.

Neben den bedeutenden Leistungen bei der Herausgabe von Schulwandkarten und -atlanten profilierte sich der Verlag durch wichtige Publikationen für Wissenschaft und Kartographie. Als Beispiel sei Carl Vogels Karte des Deutschen Reiches im Maßstab 1 : 500 000 genannt, die - ab 1893 zu einem grundlegenden Kartenwerk gediehen - bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs erschien.

Ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Verlags begann 1897, als Hermann Haack in den Verlag eintrat und seither die Entwicklung der Kartographie bei Justus Perthes maßgeblich bestimmte. Unter der Leitung des wohl bedeutendsten deutschen Schulkartographen wurde ein modernes Schulwandkartenprogramm konzipiert. Vor allem die kräftigen, leuchtenden, auf Fernwirkung abgestimmten Farben prägten - zusammen mit einer außerordentlich plastisch wirkenden Geländedarstellung - das Bild der physischen Schulwand- und -atlaskarten. Der von ihm eingeführte breite schwarze Rand um die großformatigen Schulwandkarten, der die Leuchtkraft der Perthes-Kartenfarben zusätzlich betont, ist bis heute Generationen von Schülerinnen und Schülern vertraut.

1912 gründete Hermann Haack den Verband Deutscher Schulgeographen, dessen Fachorgan der seit 1899 von Haack herausgegebene "Geographische Anzeiger" wurde. Ein weiterer Höhepunkt seines Schaffens war die Jahrhundertausgabe des Stieler, die ab 1925 erschien.

Der Verlag wurde nach 1939 zu einem sog. "kriegswichtigen Betrieb"; hier wurde die Fliegerkarte des Deutschen Reiches bearbeitet. Dem Verlagsinhaber Dr. Joachim Perthes wurde der linientreue Betriebsleiter Johannes Flicek zur Seite gestellt, da Perthes kein Parteimitglied war.

Ein Angebot der amerikanischen Besatzungsmacht im Mai 1945, den gesamten Betrieb (dessen Bedeutung die Amerikaner kannten) nach Westen zu verlagern, lehnte Dr. Joachim Perthes ab. Im Juli 1945 wurde Thüringen von den Sowjets besetzt.

Nach der Teilung Deutschlands im Jahr 1949 und der sich in Folge der 2. Parteikonferenz der SED massiv verstärkenden politischen und wirtschaftlichen Repressionen gegen privat geführte Betriebe und Unternehmen verließen Dr. Joachim und Wolf Jürgen Perthes Ende Dezember 1952 mit ihren Familien die DDR.

(Siehe dazu auch Köhler, Franz - Gothaer Wege in Geographie und Kartographie - VEB Hermann Haack, Gotha, 1987: Seite 474).

Im Januar 1953 folgten sofort die entschädigungslose Enteignung durch den "Rat der Stadt Gotha" unter dem damaligen Gothaer Oberbürgermeister Walter Würriehausen, sowie die Zwangsverstaatlichung.

Dr. Joachim Perthes und sein Sohn Wolf Jürgen Perthes gründeten daraufhin im April 1953 die Geographische Verlagsanstalt Justus Perthes Darmstadt als Rechtsnachfolger des enteigneten Gothaer Verlages.

 

Zur Fortsetzung: Verlagsgeschichte ab 1953

 

Zur Sammlung Perthes Gotha, ihrer Erhaltung und Erschließung informiert die Forschungsbibliothek Gotha.

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